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Theaterwerkstatt Eching präsentiert „Heimatfetzen“ im Kellertheater

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 28. April 2015

Anspruchsvolles bayerisches Volkstheater mit Graf, Valentin und Kroetz
(Text/Foto: wi) - „Fetzig" ist die diesjährige Inszenierung der Echinger Theaterwerkstatt im Kellertheater geworden, die sich heuer unter dem Titel „Heimatfetzen" wieder ausschließlich bayerischer Theaterkost der anspruchsvolleren Art gewidmet hat. Zur Aufführung gebracht wurden Werke von Oskar Maria Graf (1894-1967) – „Die schiefe Matratze", Karl Valentin (1882-1948) – „Der Firmling" und Franz Xaver Kroetz (geb. 1946) – „Männersache."

 

„Die schiefe Matratze", eine Episode aus Grafs „Kalendergeschichten", macht in einer von der Theaterwerkstatt adaptierten Bühnenfassung mit Erzählerin Claudia Borst den Auftakt. Darin spielt Angelika Harlander-Kohfeldt die weibliche Hauptrolle der buckligen, ledigen und bestimmenden Bäuerin Hölleisen Gretl. Diese wird in Folge ihres berechnenden Umgangs mit den wechselnden Männern auf ihrem Hof, Tagelöhner Wiggl (Martin Erhardt), den Knechten (Bernd Becker-Gebhard, Oskar Weissthanner) und dem nur bis zur Hochzeit galant-charmanten Mathias (Ulli Hafen) Opfer und Täterin zugleich. Für den Auftragsmord am gewalttätigen Ehemann muss sie eine lange Gefängnisstrafe verbüßen.
Oskar Weissthanner ist als einziger in allen drei Werken präsent. Bei Valentins Humoreske, bei der Bühnenbild und Kostüme an alte Schwarz-Weißfilme erinnern, gibt er den tolpatschig-ungehobelten und angetrunkenen Firmpaten, bei der ihm als congeniale Partnerin Diana Leitner als ständig kichernder, unbedarfter Sohn und Firmling begleitet. Slapstick-reif zerlegen sie im Duett ein Weinlokal mit den beiden konsternierten Gästen (Heidrun Spaethe, Karlheinz Wolf). Da bleibt dem steifen Ober (Claudia Borst) nach schwankendem Abgang der unliebsamen Gäste zum Schluss nur die Ankündigung, dass das Etablissement „vorübergehend geschlossen" sei.
Im intensiven Kroetz-Drama zwischen Metzgerin Martha (beklemmend gut Renate Jordan) und ihrem Freund Otto (Weissthanner, der überzeugend den triebgesteuerten, gefühlskalten und primitiven Macho gibt), wird es nach der Pause gewalttätig, unappetitlich, selbstzerstörerisch und sehr spannend. Martha sehnt sich nach Wärme, Liebe und Wertschätzung und erfährt sexuelle Gewalt, Ausbeutung und Unterwerfung. Die „Hass-Liebe" endet in einer tödlichen Katastrophe als Doppel-(Selbst)-Mord, schwere Kost, die für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet ist.
Bei der ausverkauften Premiere bedachte das begeisterte Publikum die Truppe mit viel Anerkennung und großem Beifall, zwei weitere Aufführungen folgen am 7. und 8. Mai.

Theaterwerkstatt  Heimatfetzen Gruppenbild2
Groß geschrieben wurde Teamwork auch hinter den Kulissen, denn sonst ist eine derartige, lokale Theaterproduktion, die ganz aus eigener Kraft gestemmt werden muss, nicht zu bewerkstelligen. Als Regieassistentin von Sigrid Hollik agierte Heidrun Spädte, Um das Plakat und die Illustration des Flyers kümmerte sich Oskar Weissthanner, die Texte formulierte Claudia Borst. Das Liedgut steuerte Diana Leitner bei, für die Kostüme war Angelika Harlander-Kohlfeldt verantwortlich und das Bühnenbild ist eine Gemeinschaftsarbeit aller Beteiligten.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der nächsten Druck-Ausgabe des Echinger Echos - hier eine Fotostrecke aus "Heimatfetzen".