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Finissage mit Lyrik und Musik

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 25. Oktober 2015

Das Thema „Heimat und Fremde"

in Bild, Literatur und Musik im Echinger Bürgerhaus


Einen trefflichen Abschluss fand nach dreiwöchiger Laufzeit die Bilderausstellung von Veronika Bures im Bürgerhaus. Wie Sachgebietsleiterin Ulla Grabow den zahlreichen Gästen der Finissage berichten konnte, hatten die zwei Dutzend-Portrait-Fotos von Asylbewerbern aus Eching unter dem Titel „Heimat. Gestern/Heute/Morgen" viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. So sehenswert wie die Bilder der jungen Foto-Design-Studentin, so hörenswert waren auch die literarischen und musikalischen Beiträge am Ende der Ausstellung. Claudia Borst und Bernd Becker-Gebhardt trugen den in leicht verfremdeter, das heißt an Echinger Verhältnisse angepassten Dialog „Ein Fremder in einem fremden Land" aus der spitzen Feder von Karl Valentin vor, ebenso wie Lyrik von Nelly Sachs und Irmgard Keun, die sich inhaltlich mit dem Begriff der Fremdheit und des sich fremd Fühlens befassen. Abgerundet wurde der Abend durch feurig-melancholische Klezmermusik, die Musikerin Heike Strom auf ihrem Akkordeon interpretierte. Auch diese Auswahl spielte feinsinnig und gekonnt mit dem Thema „Heimat und Fremde" – hat doch die überlieferte jiddische Klezmermusik ihre Ursprünge in der Tradition der „heimatlosen, fahrenden Völker" der Juden und Roma.

Finissage Finissage 3 


Für Sie berichtete Ulrike Wilms

 


Ein Fremder ist nur in der Fremde fremd

Wunderbar einfach oder einfach wunderbar, dabei zeitlos und dennoch (spitz-) findig, witzig und zutreffend, hat der Komiker und Münchner Original Karl Valentin (1882-1948) auf den Punkt gebracht, wie widersprüchlich der Begriff des Fremdseins ist – und das jeder einzelne – mitunter- ein Fremder ist:

Valentin: Auf Hemd reimt sich »fremd«.
Prof.: Sehr gut! Und wie heißt die Mehrzahl von »fremd«?
Val. Die Fremden. Prof: Jawohl, die Fremden.
Prof.: Und aus was bestehen die Fremden?
Val.: Aus »fremd« und »den«.
Prof.: Sehr gut! – Und was ist ein »Fremder«?
Val.: Fleisch – Gemüse – Mehlspeisen – Obst usw.
Prof.: Nein! – Nein! – Nicht was er ißt, sondern was er tut.
Val.: Er reist ab. Prof.: Sehr richtig! Er kommt aber auch an
Prof.: und ist dann ein Fremder. Bleibt er dann für immer ein Fremder?
Val.: Nein! – Ein Fremder bleibt nicht immer ein Fremder.
Prof.: Wieso?
Val.: Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.
Prof.: Das ist nicht unrichtig. – Und warum fühlt sich ein Fremder nur in der Fremde fremd?

Val.: Weil jeder Fremde, der sich fremd fühlt, ein Fremder ist, und zwar solange, bis er sich nicht mehr fremd fühlt – dann ist er kein Fremder mehr.
Prof.: Ausgezeichnet! – Wenn aber ein Fremder schon lange in der Fremde ist, – ist das dann auch ein Fremder? Oder ein Nichtmehrfremder?

Val.: Jawohl, das ist ein Nichtmehrfremder; aber es kann diesem Nichtmehrfremden – unbewusst – doch einiges fremd sein.
(Zitat Karl Valentin)