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Bilderausstellung von Rudolf Grosch im Bürgerhaus

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 26. Juni 2016

Vielschichtige Kunst eines ortsansässigen Künstlers
Zum dritten Mal bestreitet der Echinger Maler und Autor Rudolf Grosch eine Einzelausstellung seiner Werke im Echinger Bürgerhaus. Die Bilder, zu sehen sind gut 20 Exponate der Jahre 2000 -2016, sind sehr eigen, wie auch ihr Schöpfer – und gerade deshalb intensiv, authentisch und sehenswert.

Vernissage Grosch 7
Bei der gut besuchten Vernissage am 4. Juni, die von den beiden Musikerinnen Heike Storm (Akkordeon) und Yuki Kuwano (Geige) temperament- und stimmungsvoll untermalt wurde, zeigte sich als Laudator Echings Ehrenbürger und vormaliger Bürgermeister Dr. Joachim Enßlin als Bewunderer Groschs. Er besitzt selbst zwei Originale des von ihm geschätzten Künstlers, den er als engagierten, unangepassten „Kunstschaffenden ohne Kompromisse" bezeichnet und dessen schöpferischer Kraft und ungebändigtem Gestaltungsdrang er Bewunderung entgegenbringt. Er bezeichnet Grosch als „Idealisten", der nicht bereit ist, Zugeständnisse zu machen und sich dem Kommerz unterzuordnen, sondern ausschließlich die künstlerische Auseinandersetzung mit der Welt, dem Schicksal – und sich sucht. „Ich fühl' mich ständig schwanger" vergleicht Grosch selbst bildhaft den intensiven Schaffens- und Entstehungsprozess mit Schwangerschaft und Geburt, an deren Ende „etwas kommt, oder auch nicht." Typisch für den 58jährigen Künstler, so hat es den Anschein, ist es, alles und jeden in Frage zu stellen – provokant, schelmisch, hintergründig und mehrdeutig. Und dabei nimmt er sich als Person keinesfalls aus.
Groschs Bilder entziehen sich hartnäckig einer eindeutigen Etikettierung, auch wenn der Betrachter glaubt, bei dem einen oder anderen Werk stilistische Ähnlichkeiten zu berühmten Malern wie Pablo Picasso, Kokoschka oder Vincent van Gogh zu entdecken, letzteres sehr deutlich bei dem Bildtitel „Boot". Kein Wunder, den Grosch bewundert diese berühmten Künstler-Kollegen, verfügt aber ohne Frage über eine ganz eigene bildnerische Handschrift.
Vielschichtig, das ist bei Groschs großformatigen Bilder-Zyklus aus den Jahren 2000-2016 wohl die eine verbindende Eigenschaft, die immer zutrifft bei den Kompositionen in Öl oder Acryl in gedeckten Farben, Werke, bei denen eine ganz eigene Stricheltechnik mit unzählbaren Pinselstrichen im Grau, Weiß, Schwarz oder Ockertönen überwiegen. Im Mittelpunkt der meisten Werke steht etwas Kreatürliches. Neben einzelnen Frauengestalten auch Tiere. Libellen, Fische, Schlangen und Vögel beispielsweise sind Motive in einer oftmals unwirtlichen oder verwirrenden Umgebung. Ob Groschs Werke mit dem Betrachter „reden", liegt in dessen eigenem Ermessen. Sie sind mysteriös und verschlüsselt, werfen auf jeden Fall Rätsel auf, haben nichts von „heiler Welt" oder harmonisch Dekorativem, scheinen Einsamkeit und auch Zerrissenheit auszudrücken. Geradezu unheimlich mutet beispielsweise der Titel „Die schöne Gefangene an", bei der sich unterhalb eines riesigen Insekts eine nackte Frauengestalt in einem Totenschädel zusammenkauert.

 

Vernissage Grosch 9
„Was also will uns der Künstler damit sagen?" - Vielleicht sollte man die Antwort einfach vernachlässigen und sich einlassen auf eine assoziative Bilder- und Gedankenreise nach Absurdistan ... Die Werkauswahl Rudolf Groschs mit gut 20 Gemälden aus den Jahren 2000-2016 hängt noch bis zum 1. Juli im Bürgerhaus. Die Exponate können zu den Öffnungszeiten des Bürgerhauses angeschaut werden – und sind natürlich auch käuflich.

Für Sie berichtete Ulrike Wilms