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„Die Zukunft des Hollerner Sees“ in Diskussion von Politik und Bürgerschaft

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 29. Oktober 2014

(Text/Foto: wi) Ein neu ins Leben gerufenes Echinger-Gesprächs-Forum startete mit dem brisanten Thema „Die Zukunft des Hollerner Sees." Bei der Auftaktveranstaltung am 22. Oktober im Alten und Servicezentrum interessierten sich dafür rund 60 Bürgerinnen und Bürger, darunter allein 15 Gemeinderäte und alle drei Bürgermeister.

Als souveräner Diskussionsleiter erwies sich Redakteur und Journalist Klaus Bachhuber, der von zwei Co-Moderatoren unterstützt wurde: Anette Martin (Fraktionssprecherin der SPD) und Georg Bartl (Fraktionsvorsitzender der CSU), beides Verbandsräte im Zweckverband Hollerner See. Es entspann sich eine intensive Auseinandersetzung über unterschiedliche Wünsche und Vorschläge zu diversen Nutzungsvarianten für den 300 Hektar großen Badesee zwischen Eching und Unterschleißheim. Der erste Abschnitt mit dem im Süden liegenden Badestrand einschließlich Ufermauer, stufenförmigem Steilufer und Wasserwachtstation wurde realisiert. Das Plangutachten für den östlich in Richtung Eching anschließenden zweiten Bau-Abschnitt mit einem 600 Meter langen Badebereich hat der Gemeinderat kürzlich gebilligt. Noch völlig offen ist der das West- und Nordufer umfassende dritte Bauabschnitt. Die beiden kontroversen Gegenpole für alle nicht fertiggestellten Uferbereiche hießen „Erhaltung eines naturnahen Istzustands" einerseits und eine in definierten Bereichen angesetzte wirtschaftliche Nutzung andererseits. Ein wenig provokant – und mit Blick auf die „reine Natur-Fraktion" stellte Bachhuber bei seinem Rückblick auf die Geschichte und Entstehung des Hollerner Sees fest: „Hier ist nichts Natürliches." Entstanden ist die attraktive Naherholungsfläche durch den Nassaubbau von Kies durch die MKU (Münchner Kiesunion). Ihr ebenfalls anwesender MKU-Geschäftsführer Dirk Lüngen führte aus, dass seit 1984 15 Millionen Tonnen Kies abgebaut wurden.
Erfreulich viele Anwesende meldeten sich mit Detail-Vorschlägen zu Wort – und trugen zu einem facettenreichen Meinungsbild bei. Für die Erhaltung eines ruhigen, naturnahen, erholsamen Rückzugsraums sprach sich ganz entschieden Josef Holzer aus. Demgegenüber äußerten Gemeinderätin Stefanie Malenke (SPD) ebenso wie CSU-Kollege Bartl Bedenken daran, dass die Landschaftpflege des riesigen Geländes für die Kommune auf Dauer nicht zu stemmen sei. Vor dem Hintergrund wurde über Möglichkeiten ganzjähriger Freizeit- und Erholungseinrichtungen in Form von kommunaler oder kommerzieller Nutzung diskutiert, mit denen sich Gelder für den Unterhalt generieren lassen. Erstaunlich auch, dass eine Therme am Hollerner See nicht begraben ist, sondern neue Impulse erhielt. Die Bemerkung eines Bürgers: „Das Thema Therme muss wieder aufgenommen werden" wurde mit spontanem Beifall bedacht, ebenso wie seine Definition des politischen „AUS" für das Thermenprojekt: „Das hat die Mehrheit einer Minderheit entschieden" : So ist es nun einmal bei demokratischen Prozessen, bei der nur allzu oft eine schweigende und passive Mehrheit jeder aktiven Minderheit das politische Feld – und die Zukunft überlässt.
Aber nicht nur Volkes Stimme äußerte sich positiv zu diesem eigentlich schon beerdigten Großprojekt: In etwas gewandelter und „abgespeckter" Form fand die Errichtung einer Therme oder einer Wellness-Oase, kleinen Saunalandschaft oder eines "Spa" , um andere, noch nicht so verbrauchte Begrifflichkeiten ins Gespräch zu bringen, durchaus weite Zustimmung bei Gemeinderäten unterschiedlichster Couleur – frei nach dem Motto „Die Therme ist tot, es lebe die Therme." Allerdings setzt ein wie auch immer dimensionierter Sauna-Bade-Wellnessbereich an (vormals) dafür ausgewiesener Stelle eine Zufahrt mit Parkplatz im Westen voraus. Diese verkehrliche Erschließung über die B13 ist übrigens schon vor über zwei Jahrzehnten baurechtlich durch den Echinger Gemeinderat genehmigt worden. Vehement sprach sich Dr. Irena Hirschmann (BfE) gegen eine Verbindungsstraße und einen weiteren Großparkplatz aus.
Bis Politik und Bürgerschaft sich auf eine mehrheitsfähige Planung zur Zukunft ihres Hollerner Sees geeinigt haben, wird es wohl noch einiger Diskussionen bedürfen. Dazu erforderlich ist sicher auch die Bereitschaft zu Kompromisslösungen - von allen Seiten: Dafür gab es schon erste Ansätze im sachlich geführten Gesprächsforum.

 

Hollerner See Gespaechsforum

Im Vordergrund des Fotos der fertiggestellte Badebereich am Südufer des Hollerner Sees – gegenüber liegt der dritte Bauabschnitt, dessen Gestaltung nach Abzug des Kieswerks völlig offen ist.