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70 Jahre Echinger Sozialdemokratie als kommunalpolitische Kraft

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 27. März 2017

SPD-Ortsverein feiert sich und seinen Geburtstag
Das Jubiläum am 23. März im Bürgerhaus haben die Echinger Sozialdemokraten mit rund 150 Gästen als Erfolgsgeschichte gefeiert. In einer kurzweiligen Mischung aus politischem Diskurs, Standortbestimmung, Rück- und Ausblick in bebilderten Dialogen, Lesung, Sketchen und Gstanzln zeichneten die „Roten" punktuell ein viel-gesichtiges und informatives Portrait der deutschen, bayerischen und lokalen Sozialdemokratie.

Dazu zählt ja ganz aktuell auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, das ist der „mit oben nix und unten Bart", so die treffliche Beschreibung. Darin zeigt sich, dass vor allen Dingen auch eines nicht fehlend durfte, nämlich der Humor, der dem Abend, neben dem delikaten Büffet der Wirtsleute Udo und Carolin Vogt, die rechte Würze verlieh. Bei allem (berechtigten) Stolz auf das in insgesamt 27 „Regierungsjahren" in der Gemeinde Erreichte gefiel nicht zuletzt auch die selbstverständliche Art, mit der die schauspielernde und singende SPD-Schautruppe sich selbst immer einmal wieder auf die Schippe nahm. Natürlich wurde, nicht zu knapp, mit treffsicheren Wortspielen und Pointen der politische Mitbewerb durch den kabarettistischen Kakao gezogen. Beispielsweise hatte die SPD flugs zwei neue „Bürgerparteien" erfunden, nämlich die BfA (="Bürger für Alles") und die BgA (=Bürger gegen alles"), eine satirische Spitze und Überspitzung der gegenwärtigen Parteienlandschaft, in der für partikulare Interessen flugs eine eigene Gruppierung gegründet wird. Beste Laune verbreiteten zudem die Sir Flint's Boheme Jazzers mit ihrem beschwingtem Dixieland und New-Orleans- Jazz.

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Die Laudatio auf 70 Jahre SPD, angefangen bei der Erinnerung an die mutigen und zupackenden Gründer, hielt Bürgermeister Sebastian Thaler. Er charakterisierte den Ortsverband als „harmonisch, gesund und engagiert". Seinen beiden Bürgermeisterkollegen und Amtsvorgängern Joachim Enßlin und Rolf Lösch attestierte er, „den Geist der Zeit erkannt" und mit Weitsicht gehandelt zu haben: „Davon zehren wir noch heute", so Thaler.
„Haben wir alles erreicht, können wir den Laden dicht machen?"diese Frage wurde in einem Dialog der beiden Vereinsvorsitzenden Carsten Seiffert und Thomas Müller-Saulewicz, in vieler Hinsicht verneint, angefangen vom Dauerthema „Verteilungsgerechtigkeit" bis zu den neuen Herausforderungen durch Roboter, Computer und Big Data. Es gelte in der heutigen digitalisierten und technisierten Welt deren Risiken und Chancen zu erkennen und die damit verbundenen grundlegenden Veränderungen in Gesellschaft und Arbeitswelt bewusst zu gestalten. Anschließend gingen die Echinger Genossen und Genossinnen der Frage nach, für welche Politik die Sozialdemokratische Partei stand und steht. Dazu wurden die vier ureigenen politischen Aufgabenfelder Gerechtigkeit, Flüchtlinge, Frauen und natürlich Kommunalpolitik auf die Bühne gebracht – und als immer wieder neu zu definierende und entwickelnde Prozesse beschrieben und beleuchtet. So zeigten Elke Saulevicz als Frauenrechtlerin Clara Zetkin und Sybille Schmidtchen in der Rolle von Elisabeth Gelbert, einer der vier Mütter des Grundgesetzes, den langen Weg in die Gleichberechtigung auf, der auch heute keinesfalls abgeschlossen ist.

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Einen sehr, sehr wichtigen Bogen schlugen Werner Schefold, Sabine Palitzsch und Franz Nadler zwischen den Einzel-Schicksalen der von Nazis verfolgten und geflohenen Sozialdemokraten zu den heutigen Flüchtlingen.


Was hat die SPD als kommunalpolitische Kraft bewegt, was bleibt?

„In so langer Zeit ist unendlich viel passiert" ist die erste Reaktion von Joachim Enßlin auf die Frage, was die Echinger Sozialdemokratie als kommunalpolitische Kraft bisher bewegt hat und was von ihr geschafft und geschaffen wurde. Bei dem Versuch, zukunftsweisende Veränderungen und nachhaltige Ergebnisse in sehr komprimierter Form festzumachen, nannte Enßlin fünf Schwerpunkte sozialdemokratischer Gemeindepolitik:
1. Verhinderung drohender überörtliche Belastungen – wie Standortübungsplatz, Flughafen, Klärwerk der Stadt München, Mülldeponien und Eindämmung deren negativer Auswirkungen, Aufwertung des Münchner Nordens wurden bzw. in ihren negativen Auswirkungen stark beschränkt. Der Münchner Norden wurde aufgewertet.
2. Einführung des Echinger Modells, auf dessen sich 300 Familien ein Reihenhaus bauen und 100 Familien in städtebaulich integrierte Sozialwohnungen einziehen konnten.
3. Schaffung von sozialen Einrichtungen, wie sie beim Zeitpunkt ihrer Inbetriebnahme in dieser Art und dieser Fülle in Gemeinden vergleichbarer Größe nur selten zu finden waren, wie z.B. die Familienberatungsstelle, das Jugendzentrum und das ASZ.
4. Schaffung kultureller Einrichtungen wie Musikschule, Bürgerhaus und Volkshochschule.
5. Ortsbegrünung innerhalb des Ortes und vor allem als grüner, ökologischer Freizeitgürtel mit Kleingartenanlage, Sportstätten, Echinger See und Freizeitgelände.


.Mit greifbarer Spielfreude und komödiantischem Talent ließen ein rundes Dutzend SPD-Akteure den politischen Zeitgeist von 100 Jahren in Momentaufnahmen aus den Jahren 1946, 1996, 2016 und auch in der Zukunft, im Cyberspace, lebendig werden. Brachten anno 46 die Genossen ihr eigenen Brennholz mit zur Sitzung und servierte die Zenzi (Elke Saulevicz) dabei Dünnbier, so brachten die „Roten" 2016 ihre Handys, Tablets und eine Portion Ratlosigkeit mit, wegen der anstehenden Bürgermeisterwahl: „Daten, Daten, Daten" – wir brauchen Kandidaten" lautete ein Verzweiflungsruf. Doch zum Glück wurde der Bürgermeister gefunden- auf dem Tennisplatz.

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Für rasante „Action" war bei einer Zeitreise in die 2030er Jahre Jockel Enßlin zuständig, der im roten Tesla-Roller rasant und mit Zenzi (jetzt als „Schutzengel" auf Rollerskates) durch den Saal düste.

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Für viel Heiterkeit sorgte Fraktionssprecherin Anette Martin auf ihrer –erfolglosen - Suche nach der politischen Heimat beim Speed-Dating auf der kurzweiligen Bühne der hiesigen Parteienlandschaft. Kein Problem, bei den bezeichnenden Namen „Gräser" die Grünen oder den Flexiblen Wählern die Freien Wähler zu enttarnen. Aus Feierlaune heraus, nicht nur, weil die SPD dem eigenen Verständnis nach eine Mitmach-Partei ist , sang und klatschte das Publikum immer einmal wieder mit, sei es mit Stefanie Malenke und ihrer „Frauenrecht-Version" von „No woman no cry" oder mit Willy Kramer, dem langjährigen SPD-Gstanzl-Sänger vom Dienst . Und alle waren sich darin einig: Auch das richtige Feiern gehört zu den Kernkompetenzen der Echinger SPD.
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Die SPD-Show-Truppe auf der Bürgerhausbühne: von links nach rechts: Jürgen Schechler, Jens Kühnel, Sybille Schmidtchen, Thomas Müller-Saulevicz, Werner Schefold, Elke Saulevicz, Willy Kramer, Stefanie Malenke, Sabine Palitzsch und Anette Martin.

Für Sie berichtete Ulrike Wilms.